Inhalt der UE "Kassandra"
1) Die Quellen zum Stoff
2) Der Schauplatz TROJA
b) Das historische Troja (Ilion)
3) Darstellung einiger Figuren in der griech. Mythologie (alph.)
Agamemmnon
Hekabe
Helena
Kassandra
4) Die Autorin
Arbeitsaufgaben zu Christa Wolfs "Kassandra"
1. Gruppe: Kassandras Lebensgeschichte aus der Erzählung herausfiltern - was geschah wann?
2. Gruppe: Entwurf eines "Beziehungs-Stammbaums" - wer hat was mit wem zu tun?
3. Gruppe: Analyse des "Erinnerungs-Monologs" (bis zur Priesterweihe 18f) - wie werden
Gegenwart und Vergangenheiten verknüpft?
B - Gruppenarbeit zu "Entstehung, Vermeidbarkeit, Verlauf des Krieges"
1. Gruppe: Die Bedeutung der zwei ersten Schiffsexpeditionen
2. Gruppe: Die 3. Schiffsexpedition; die Rolle von Paris und Eumelos
3. Gruppe: War der Krieg vermeidbar?
4. Gruppe: Der Kriegsverlauf im Überblick (84-155)
C - Gemeinsame Aktualisierung des Stoffes
D - Gruppenarbeit zu "Matriarchat vs. Patriarchat"
1. Gruppe: Wie ist Troja als Gemeinwesen organisiert?
2. Gruppe: Überreste des Matriarchats in Troja
3. Gruppe: Die Frau im Patriarchat
4. Gruppe: Die Welt am Skamander - ein Gegenentwurf?
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Lebensgeschichte Kassandras
Die Figuren und ihre Beziehungen
Der Erinnerungs-Monolog (bis Aussetzung des Paris 60)
B - Ergebnisse der Gruppenarbeit zu "Entstehung, Vermeidbarkeit, Verlauf des Krieges" -
- Gegenüberstellung der 2 Versionen des Ziels der 1. Expedition
- Der Anlaß der 2. Expedition, ihre Begründung durch Priamos und Hekabes Meinung dazu
- Verhalten des Volkes bei Ausfahrt und Rückkehr des 2. Schiffes
2. Gruppe: Die 3. Schiffsexpedition; die Rolle von Paris und Eumelos
- Vorgeschichte des Paris, sein Verhalten am Hof und während des Gastmahls
- Der Aufstieg des Eumelos
- Der "Sprachkrieg"
- Der äußere Ablauf der Expedition
3. Gruppe: War der Krieg vermeidbar?
- Der Traum des Priamos (78) und seine 2 Deutungen
- Welche Rolle spielt Helena, "das Phantom" (79-84)?
- Gegenüberstellung der entsprechenden Ansichten des Priamos und Kassandras
4. Gruppe: Der Kriegsverlauf im Überblick (84-155)
- Wie werden die Griechen dargestellt, und wie wird diese Darstellung begründet?
- Momente, durch die der Krieg weiter verschärft wird ("Eskalations-Syndrom")
- Wirkung des Krieges auf die inneren Verhältnisse der Stadt (Priamos, Eumelos)?
C - Gemeinsame Aktualisierung des Stoffes
D - Gruppenarbeit zu "Matriarchat vs. Patriarchat"
2. Gruppe: Überreste des Matriarchats in Troja
- Sammeln von Textstellen: vorpatriarchalische Verhältnisse und Bräuche in Troja (17-64)
- Hekabes Traum / Helenos und Kassandra / Hesione / Kybele-Kult
3. Gruppe: Die Frau im Patriarchat
- Die "Entmachtung" Hekabes
- Vergleich zwischen Penthesilea - Kassandra - Polyxena
4. Gruppe: Die Welt am Skamander - ein Gegenentwurf?
Christa Wolf (CW) verwendete zur Ausarbeitung ihrer "Kassandra" folgende Quellen sicher:
- Euripides: "Die Troerinnen" (415 v.)
- Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie (1955)
Weitere wahrscheinliche Quellen - oder zumindest Vorbilder" - sind:
- Giraudoux: "Der trojanische Krieg findet nicht statt" (1935).
Neben diesen "troja-orientierten" Quellen sind für bestimmte Themenbereiche von Bedeutung:
F. Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats (1884)
L. Mumford: Mythos der Maschine (1964ff)
Ch. Wolf: "Kindheitsmuster" (1976)
sowie die Arbeiten über Mythen und Träume von Freud und Fromm.
Zwar hat der - historisch nicht gesicherte - Dichter Homer mit dem Vers-Epos "Ilias" den Rahmen für alle Geschichten, die sich um den "Trojanischen Krieg" ranken, geschaffen, doch sind von späteren Dichtern viele Details hinzugefügt worden - so z.B. von Euripides, Apollodoros, Vergil u.a.
Die Sage sieht die Ursache des Krieges in einem goldenen Apfel mit der Inschrift "für die Schönste", der bei der Hochzeit des Peleus mit Thetis, einer der Nereiden, von Eris, der Göttin der Zwietracht, unter die himmlischen Gäste geworfen wurde. Durch die Tatsache, daß Aphrodite, der Göttin der Liebe, von Paris, dem Sohn des Königs Priamos von Troja, der Apfel zuerkannt wurde, war Paris Günstling der Göttin und erlangte die Liebe der schönen Helena von Troja, der Frau des Königs von Sparta Menelaos. Helena ging mit Paris nach Troja. Um das Menelaos angetane Unrecht zu rächen, wurde ein Kriegszug unter dem Kommando Agamemnons, dem König von Mykene, unternommen. Agamemnons Streitmacht hatte viele berühmte griechische Helden unter sich, die bekanntesten waren Achilleus, Patroklos, Ajax der Größere und Ajax der Kleinere, Teukros, Nestor, Odysseus und Diomedes.
Nachdem sich die Trojaner weigerten, Helena an Menelaos zurückzugeben, sammelten sich die griechischen Kämpfer in der Bucht von Aulis und fuhren mit 1 000 Schiffen nach Troja. Im zehnten Jahr der Belagerung zog sich Achilleus aufgrund seines Zornes auf Agamemnon aus der Schlacht zurück. Diese Ereignisse bildeten den Stoff für die Ilias des Homer. Um den Tod seines Freundes Patroklos zu rächen, kehrte Achilleus wieder in die Schlacht zurück und tötete Hektor, den wichtigsten trojanischen Kämpfer. Zu den folgenden Ereignissen, die in späteren epischen Dichtungen beschrieben werden, gehören Achilleus Siege über Penthesilea, die Königin der Amazonen, und Memnon, den König von Äthiopien, sowie der Tod des Achilleus unter den Händen des Paris.
Troja wurde schließlich durch eine List erobert. Eine Gruppe von Griechen schaffte es, versteckt in einem großen hölzernen Pferd (dem Trojanischen Pferd), in die Stadt zu kommen. Später plünderten die Griechen die Stadt und brannten sie nieder. Nur einige wenige Trojaner entkamen. Der berühmteste unter ihnen war Aeneas, der die anderen Überlebenden in das heutige Italien führte. Diese Geschichte erzählt Vergil in der Aeneis.
Die Rückkehr der griechischen Kämpfer hat weitere Epen inspiriert, deren berühmtestes das von Odysseus ist. Seine zehnjährige Irrfahrt und seine Ankunft in Ithaka erzählt Homer in seiner Odyssee.
b) Das historische Troja (Ilion)
Das Troja in den Epen Homers wurde lange für eine legendäre Stadt gehalten. 1871 jedoch begann der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann mit Ausgrabungen und legte Stein- und Festungsmauern einer antiken Stadt auf dem Berg Hissarlik frei, der etwa 6,5 Kilometer vom Ägäischen Meer und ebenso weit von den Dardanellen entfernt liegt. Schliemanns Ausgrabungen wurden nach seinem Tod von seinem Assistenten Wilhelm Dörpfeld fortgeführt (1893 bis 1894 sowie 1924). Zwischen 1932 und 1938 wurden Ausgrabungen unter der Leitung des amerikanischen Archäologen Carl Blegen durchgeführt. Dabei wurden folgende Siedlungen festgestellt: Troja I, eine frühe Siedlung mit einer Mauer aus kleinen Steinen und Lehm (um 3000 v. Chr.); Troja II, eine prähistorische Festung mit starken Wällen, einem Palast und Häusern (3. Jahrtausend v. Chr.); Troja III, IV und V, prähistorische Dörfer, die nacheinander auf den Trümmern von Troja II erbaut wurden (zwischen 2100 und 1900 v. Chr.); Troja VI, eine Festung mit riesigen Mauern, Türmen, Toren und Häusern, die eine größere Fläche einnahm als die vorhergehenden Siedlungen (1900- 1240 v. Chr.); Troja VIIA (1240-1200 v. Chr.), das wiederaufgebaute Troja VI und der vermutliche Schauplatz des Trojanischen Krieges; Troja VIIB und VIII, griechische Dörfer aus einfachen Steinhäusern (um etwa 1100 v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr.); Troja IX, die Akropolis der griechisch-römischen Stadt Ilion oder Neu-Ilion mit einem Tempel der Athena, öffentlichen Gebäuden und einem großen Theater (etwa 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 500 n. Chr.).
Schliemann entdeckte die ersten fünf Siedlungen und hielt Troja II für das homerische Troja. Dörpfelds Entdeckungen, die von Blegen bestätigt wurden, bewiesen, daß das homerische Troja wohl mit Troja VIIA identisch ist.
3) Darstellung einiger Figuren in der griech. Mythologie (alph.)
Sohn der Meernymphe Thetis und des Peleus, des Königs der Myrmidonen aus Thessalien. Als Kind tauchte ihn seine Mutter in den Styx, den Fluß der Unterwelt, dessen Wasser ihn am ganzen Körper unverwundbar machte. Lediglich die Ferse, an der ihn seine Mutter hielt, blieb verwundbar. Achilleus nahm an der zehnjährigen Belagerung Trojas teil. Als ihm der mykenische König Agamemnon seine Lieblingssklavin Brisis raubte, zog er sich mit seinen Kämpfern aus der Schlacht zurück. Die Trojaner griffen, durch seine Abwesenheit ermutigt, die Griechen an und trieben sie in die Flucht. Daraufhin bat Achilleus Freund und Begleiter Patroklos seinen Freund, ihm seine Waffen zu leihen und ihn die Myrmidonen in die Schlacht führen zu lassen. Achilleus willigte ein. Als Patroklos von dem trojanischen Prinzen Hektor getötet wurde, kehrte Achilleus in die Schlacht zurück und erschlug Hektor. Später erlaubte er dem trojanischen König Priamos, Hektors Körper freizukaufen. Seine letzte Schlacht focht Achilleus mit Memnon, dem König der Äthiopier. Nachdem er den König getötet hatte, führte er die Griechen erneut gegen Troja. Dort wurde er von Paris tödlich an der Ferse verwundet.
König von Mykene und Befehlshaber der griechischen Streitmächte im Trojanischen Krieg. Er war der Sohn des Atreus und litt unter dem Fluch, der auf seinem Haus lag. Als die Griechen sich in Aulis versammelten, um von dort ihre Reise nach Troja anzutreten, wurden sie von Gegenwinden zurückgehalten. Um die Winde zu besänftigen, opferte Agamemnon seine Tochter Iphigenie der Göttin Artemis. Sein Streit mit Achilleus um die Prinzessin Briseis, die gefangen genommen worden war, und die Folgen dieses Streites bilden einen Großteil der Handlung der Ilias von Homer. Nach zehnjähriger Belagerung fiel Troja, und Agamemnon kehrte triumphierend nach Mykene zurück. Er wurde von der trojanischen Prinzessin Kassandra begleitet, die ihm von der siegreichen griechischen Armee zuerkannt worden war.
Klytämnestra, Agamemnons Gattin, begrüßte ihn zwar mit Liebesbeteuerungen, warf aber ein Netz über ihn, als er ein Bad nahm. Ihr Geliebter Ägisthus versetzte Agamemnon einen Schlag mit dem Schwert, und während er von dem Schlag wie betäubt war, köpfte Klytämnestra ihn mit einer Axt. Sein Tod wurde sieben Jahre später von seinem Sohn Orestes gerächt. Die Geschichte von Agamemnons Tod wird in der ersten Tragödie der Trilogie Die Orestie des altgriechischen Dichters Aischylos erzählt.
Gemahlin des trojanischen Königs Priamos, dem sie Hektor, Paris, Kassandra und 16 andere Kinder gebar. Nach dem Untergang Trojas, mit dem auch der Trojanische Krieg zu Ende ging, und dem Tod des Priamos wurde Hekabe von den Griechen gefangengenommen. Während der Belagerung Trojas war Polydoros, ihr jüngster Sohn, der Obhut des Königs von Thrakien anvertraut worden. Auf dem Weg nach Griechenland, wohin sie als Sklavin der Griechen gebracht werden sollte, fand Hekabe die Leiche des Polydoros, der am thrakischen Strand umgebracht worden war. Aus Rache stach sie dem König die Augen aus und tötete seine zwei Söhne. Über Hekabes Tod gibt es drei Überlieferungen; nach der ersten Überlieferung sprang sie aus Verzweiflung über ihre Gefangennahme in den Hellespont (heute die Dardanellen), der zweiten Version zufolge wurde sie getötet, weil sie die Griechen beleidigt hatte, und nach der dritten verwandelte sie sich im Sterben in eine Hündin.
Tochter des Gottes Zeus und der Leda, der Gemahlin des Königs von Sparta. Als Kind wurde sie von dem Helden Theseus entführt, der sie zu gegebener Zeit heiraten wollte, aber ihre Brüder Kastor und Polydeukes befreiten sie wieder. Später war ihre verhängnisvolle Schönheit die direkte Ursache für den Trojanischen Krieg.
Die Geschichte des zehnjährigen Krieges begann mit dem Paris-Urteil (vgl. oben).
Bald darauf segelte Paris nach Griechenland, wo er von Helena und ihrem Gemahl Menelaos, König von Sparta, gastfreundlich aufgenommen wurde. Unglücklicherweise war Helena als die Schönste ihres Geschlechts der Preis, der für Paris bestimmt war. Obwohl sie ein glückliches Leben mit Menelaos führte, erlag sie dem Einfluß Aphrodites. Paris konnte sie überreden, daß sie sich von ihm nach Troja entführen ließ. Menelaos wandte sich an die griechischen Führer, ihm zu helfen, seine Gemahlin wiederzubekommen. Bis auf wenige Ausnahmen kamen sie seiner Aufforderung nach. In den zehn Jahren des unentschiedenen Krieges saß Helena an ihrem Webstuhl im trojanischen Palast und stellte ihre traurige Geschichte auf einem Stoff dar. Dann entschieden sich Paris und Menelaos zu einem Einzelkampf zwischen den gegnerischen Armeen. Helena wurde aufgefordert, sich das Duell anzusehen. Als sie sich dem Turm näherte, wo der betagte König Priamos und seine Anführer saßen, war ihre Schönheit immer noch so unvergleichlich und ihre Trauer so groß, daß alle nur Mitgefühl für sie empfinden konnten. Obwohl die Griechen den Sieg im Kampf zwischen den zwei Kriegern für sich in Anspruch nahmen, half Aphrodite dem Paris, vor dem aufgebrachten Menelaos zu entkommen, indem sie ihn, umgeben von einer Wolke, in Helenas Schlafgemach in Sicherheit brachte. Hier tröstete ihn Helena.
Nach dem Fall Trojas wurde Menelaos mit seiner Gemahlin wiedervereint. Sie brachen bald von Troja nach ihrer Heimat Griechenland auf. Da sie aber das Mißfallen der Götter erregt hatten, wurden sie von Stürmen von Küste zu Küste im Mittelmeer getrieben und segelten über Zypern, Phönizien und Ägypten. Als sie schließlich Sparta erreichten, nahmen Menelaos und Helena ihre Herrschaft wieder auf. Helena gebar Menelaos die Tochter Hermione, und alle führten bis zu ihrem Ende ein Leben in königlicher Pracht.
Tochter des Königs Priamos und der Königin Hekabe von Troja. Der Gott Apollon, der Kassandra liebte, schenkte ihr die Gabe der Weissagung. Als sie sich jedoch weigerte, seine Liebe zu erwidern, machte Apollo die Gabe unbrauchbar. Er spuckte ihr in den Mund, damit niemand ihren Prophezeihungen Glauben schenken solle. Kassandra warnte die Trojaner vor vielen Gefahren, einschließlich des hölzernen Pferdes, mit dem die Griechen in die Stadt eindringen würden, aber sie wurde als Wahnsinnige abgetan. Nach dem Fall Trojas suchte sie Schutz im Tempel der Göttin Athena, aus dem Ajax der Kleine sie zerrte und in das griechische Lager brachte. Bei Aufteilung der Beute fiel Kassandra dem König Agamemnon als Sklavin und Konkubine zu. Kassandra warnte ihn, daß er den Tod fände, falls er nach Griechenland zurückkehren würde. Aber wieder wurde ihr nicht geglaubt. Nach ihrer Ankunft in Mykene wurden sie und Agamemnon umgebracht.
Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg an der Warthe (heute Polen) geboren. Sie studierte Germanistik in Jena und Leipzig und war danach als Verlagslektorin und Redakteurin tätig. Seit 1962 ist sie freie Schriftstellerin. Als in der Deutschen Demokratischen Republik lebende Schriftstellerin thematisierte sie in ihrem ersten Roman Der geteilte Himmel (1963) die Problematik der deutsch-deutschen Teilung. Die letzten Kriegsjahre und die Anfangsphase der DDR waren Thema der Romane Nachdenken über Christa T. (1969) und Kindheitsmuster (1976). Im erstgenannten Werk beschreibt sie das Leben der Christa T. und deren Leiden und frühen Tod an Leukämie, die als psychosomatische Reaktion auf ihre Situation auftritt. Kindheitsmuster weist ausgeprägte autobiographische Züge auf; Wolf schildert darin das Leben in einer angepaßten Kleinstadt vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse der damaligen Zeit. Mit der Bearbeitung des Kassandramythos (Kassandra, 1983) behandelte Wolf das Motiv des Handelns wider besseren Wissens und unternahm zugleich den Versuch, eine "weibliche Ästhetik" zu schaffen. Die Darstellung der matriarchalisch geprägten Kultur beinhaltet differenzierte Kritik an den patriarchalischen Strukturen der heutigen Gesellschaft. Aufschlußreich sind insbesondere die unter dem Titel Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra zusammen mit der Erzählung erschienenen Anmerkungen, welche die Hintergründe ihrer Erzählung nachvollziehbar machen (hervorgegangenen aus den 1982 in Frankfurt gehaltenen Poetikvorlesungen). Das Reaktorunglück in Tschernobyl im April 1986 ist Thema der Erzählung Störfall (1987). Wolfs literarische Vorbilder waren neben Bertolt Brecht die Schriftstellerinnen Anna Seghers und Ingeborg Bachmann. Aus ihrem zunächst dem sozialistischen Realismus verpflichteten Werk spricht der Glaube an die utopischen Elemente des Sozialismus, der jedoch später der Skepsis gegenüber dem sozialistischen Alltag wich.
Wolf gehörte bis zu deren Auflösung im Jahr 1989 der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) an, obgleich sie im Jahr 1976 aus dem Ostberliner Ausschuß der Schriftstellervereinigung der DDR ausgeschlossen wurde, nachdem sie sich an Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann beteiligt hatte. Ihre Erzählung Was bleibt, die sie bereits 1979 geschrieben hatte, wurde erst im Jahr 1990 publiziert. In diesem autobiographisch geprägten Werk zeichnete sie das Psychogramm einer vom Staatssicherheitsdienst der DDR (Stasi) überwachten Frau. Das Buch löste heftige Kontroversen aus, nachdem Wolf selbst in den Verdacht geriet, als Informantin der Staatssicherheit tätig gewesen zu sein. Zu ihren Werken zählen ferner die Erzählungen Unter den Linden (1974) und Kein Ort. Nirgends (1979) sowie die Sammlung Auf dem Weg nach Tabou. Texte 1990-1994 (1994). Christa Wolf wurde 1980 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1984 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet.
Arbeitsaufgaben zu Christa Wolfs "Kassandra"
A - während der Lektüre (HAUSÜBUNG):
1. Gruppe: Kassandras Lebensgeschichte aus der Erzählung herausfiltern - was geschah wann?
(Dazu Beispiel-Folie zu Kindheit und Pubertät)
2. Gruppe: Entwurf eines "Beziehungs-Stammbaums" - wer hat was mit wem zu tun?
(Dazu Beispiel-Folie)
3. Gruppe: Analyse des "Erinnerungs-Monologs" (bis zur Priesterweihe 18f) - wie werden
Gegenwart und Vergangenheiten verknüpft?
(Dazu Beispiel-Folie)
B - Gruppenarbeit zu "Entstehung, Vermeidbarkeit, Verlauf des Krieges"
1. Gruppe: Die Bedeutung der zwei ersten Schiffsexpeditionen
- Der Anlaß der 2. Expedition, ihre Begründung durch Priamos und Hekabes Meinung dazu
- Verhalten des Volkes bei Ausfahrt und Rückkehr des 2. Schiffes
2. Gruppe: Die 3. Schiffsexpedition; die Rolle von Paris und Eumelos
- Der Aufstieg des Eumelos
- Der "Sprachkrieg"
- Der äußere Ablauf der Expedition
3. Gruppe: War der Krieg vermeidbar?
- Welche Rolle spielt Helena, "das Phantom" (79-84)?
- Gegenüberstellung der entsprechenden Ansichten des Priamos und Kassandras
4. Gruppe: Der Kriegsverlauf im Überblick (84-155)
- Momente, durch die der Krieg weiter verschärft wird ("Eskalations-Syndrom")
- Wirkung des Krieges auf die inneren Verhältnisse der Stadt (Priamos, Eumelos)?
C - Gemeinsame Aktualisierung des Stoffes
D - Gruppenarbeit zu "Matriarchat vs. Patriarchat"
1. Gruppe: Wie ist Troja als Gemeinwesen organisiert?
2. Gruppe: Überreste des Matriarchats in Troja
- Hekabes Traum / Helenos und Kassandra / Hesione / Kybele-Kult
3. Gruppe: Die Frau im Patriarchat
- Vergleich zwischen Penthesilea - Kassandra - Polyxena
4. Gruppe: Die Welt am Skamander - ein Gegenentwurf?
Lebensgeschichte Kassandras
Lebensphase |
"privat" |
"öffentlich" |
| Kindheit | ||
2-jährig |
Mit Helenos im Tempelhain 29f | |
auf dem Arm der Amme |
1.Expedition 38 / Panthoos beendet Knabenopfer 41f | |
auf den Schultern des Aisakos |
Aisakos Tod + Kalchas´ Lüge => Primärer Anfall 51ff | |
iterativisch (andauernd) |
Thronszenen mit den Eltern 17 | |
| Mädchen | ||
1. Blutung |
Tempelprostitution 20f | 2.Expedition (Kalchas) 42ff => 1. "öffentl." Anfall |
im folgenden Jahr, bis zur |
Bei Kybele 24f | Rückkehr des Paris 53ff |
Priesterweihe 18 |
Bei Arisbe 58f | Besuch des Menelaos 60ff |
| 3.Expedition (zwischen 53 und 77), 2. Anfall 70ff | ||
| Rückkehr Paris´ ohne Helena 78ff, Helena-Lüge => 3.Anfall | ||
| Priesterin / 10 Jahre Krieg | ||
Die Figuren und ihre Beziehungen
Die Griechen |
In der Zitadelle |
Am Skamander |
Panthoos |
folgt |
Lampos |
||||||||||||
Telamon |
"nimmt"? |
Hesione |
Priamos |
(¥ ) |
Arisbe |
|||||||||
Kalchas |
¥ |
Hekabe |
Aisakos |
¥ |
Asterope |
|||||||||
Kinder ... |
||||||||||||||
Diomedes |
Briseis |
» Troilos |
Hektor |
Lykaon |
Paris |
Polyxena |
Helenos |
Kassandra |
» Aineias |
|||||
Der Erinnerungs-Monolog (bis Aussetzung des Paris 60)
Mykene |
Überfahrt |
Kriegszeit Ende ..........................Anfang |
Jugend |
Kindheit |
Vor der Geburt |
||||||
| Allein ins Schlachthaus 5 | Sturmnacht 5f | ||||||||||
| Mit meiner Stimme 6 | Myrine: Aineias 7 | ||||||||||
| Schmerzprobe 8 | Penthesilea 8-10 | ||||||||||
| Sprache wiederfinden 10 | Sturmnacht 11f | ||||||||||
| Klytaimnestra 12 | Hekabe 13 | ||||||||||
| Weg nach Mykene 13 | Priesterin mit |
Panthoos 14f | |||||||||
....... Thronszene 17 ....... |
|||||||||||
| Todeserwartung 18 | Priesterweihe 18-20 |
||||||||||
Tempel- |
Prostitution 20-23 | ||||||||||
| <= Wie wird es sein? 26f | Kass. bei |
Kybele 24f | |||||||||
| Todesangst 28 ................ | Ich will Zeugin bleiben 27 .... | .....................Priesterin Mädchen 26 |
..... Priesterin Mädchen Kind 28 |
.......................................... | |||||||
Kass. und Helenos 29f |
|||||||||||
| Aussetzung des Paris 60 | |||||||||||
B - Ergebnisse der Gruppenarbeit zu "Entstehung, Vermeidbarkeit, Verlauf des Krieges" -
1. Gruppe: Die Bedeutung der zwei ersten Schiffsexpeditionen
- Der Anlaß der 2. Expedition, ihre Begründung durch Priamos und Hekabes Meinung dazu
- Verhalten des Volkes bei Ausfahrt und Rückkehr des 2. Schiffes
a) 38-40
Panthoos folgt Lampos nach Troja - als "Beutestück" bejubelt. |
Gerüchte und Gegengerüchte S.40 |
b) 42-46, 49
- Rückkehr ohne Hesione, ohne Kalchas - Gerücht, Kalchas sei Geisel |
- Hesione sei Königin in Sparta - Marpessa: Kalchas sei übergelaufen; wird auf Befehl Hekabes aus Kass. Nähe entfernt - in die Ställe (48)! - Unvereinbares nicht zusammenzwingen: Priamos will von Griechen Zoll für Hellespont und ihre Achtung |
c) 42-46
- Schlachtruf: "Hesione oder den Tod" |
- Enttäuschung, Feindseligkeit, Murren - Hekabe verbietet Kassandra das Weinen über "politische Ereignisse": nur im Volk "hochfliegende Erwartungen und unvermeidliche Enttäuschungen" |
2. Gruppe: Die 3. Schiffsexpedition; die Rolle von Paris und Eumelos
a) 53-61, 65-71, 76-79
| 5354f | Von unterlegenen Königssöhnen bedroht, der Ruf: "Priamos! Dieser da ist dein Sohn!" Der alte Hirte und die Tasche | |
| 58f | Arisbe erzählt, ihr Halbbruder Aisakos habe auf dem Kind einen Fluch gesehen; dazu kam der Holzscheit-Schlangen-Traum Hekabes, gedeutet von Kalchas.. Schlangengöttin-Deutung durch Arisbe. | |
| 60 | Priamos: damals eine Weiberintrige > Hekabes Verhärtung. Hirte habe Paris nicht getötet - sicher von den Frauen bestochen. "Gleichviel. Lieber soll Troia fallen, als dass mein wunderbarer Sohn sterben sollte." (Reaktion Kassandras?) / Dann Ankunft des Menelaos | |
| 66ff | Paris "gehörte schon dem Eumelos". / schielt nach Beachtung / Eumelos schafft Paris-Legende, um Einfluß zu verstärken | |
| 69f | Oinone: Paris rufe "Helena" / Gastmahl: betrunk. Paris spricht Menelaos auf Helena an, Hekabe verbietet ihm den Mund, Paris schreit: "..bin es, der des Königs Schwester .. wiederholt." Oder eine Schönere als sie. Anfall Kassandras | |
| 71 | Abfahrt Menelaos und der 3.Expedition | |
b)
| 66 | "Sohn eines niedrigen Schreibers und einer Sklavin aus Kreta" |
| 54 | Abriegeln des Stadions: "ein junger Offizier namens Eumelos" zeigt sich umsichtig |
| 59f | Wachposten vor Priamos´ Tür: "ein fähiger Mann" / bald Führer der Palastwache |
| 65 | Sitz im Rat |
| 101 | "Palast des Eumelos" |
| 107 | "Hekabe .. die Teilnahme an den Sitzungen des Rats" verwehrt |
| 110 | Im Lauf des Krieges "verändert sich die innere Ordnung des Palastes" |
| 119f | Ein "Sicherheitsnetz" über ganz Troia / "Gipfel der Machtvollkommenheit" |
Aufstieg durch Paris-Krise - Besuch des Menelaos ("Königspartei" für Vergeltungsaktion EXP3) - redet Paris Ziel und Aufgabe ein (Durchsetzung des (griech.) "agonalen Prinzips".
c)
| 75 | Mit Hilfe von "Palastschreibern und Tempeldienern" sorgt er für "geistige Rüstung": "Von Feind war schon die Rede, eh noch ein einziger Grieche ein Schiff bestiegen hatte" / diffamiert zugleich Briseis und Panthoos als mögliche Griechen-Freunde. |
| 35 | Ziel der psycholog. Kriegsführung: "Wir sollten werden wie der Feind, um ihn zu schlagen". |
| 65 | Menelaos darf nicht "Gastfreund" genannt werden: "Kundschafter oder Provokateur" |
| 84 | "Krieg durfte es nicht heißen": "Überfall". |
d)
| 76 | "eine
nächtliche Ankunft, dafür wurde gesorgt, trotzdem lief
das Volk zusammen" / "eine weite Sperrkette von
Eumelos-Leuten um die Landestelle" / am Morgen Info:
Paris mit entführter Helena auf Umwegen unterwegs nach
Troia Eine Nachricht wird "hergestellt". Paris habe auf Geheiß Aphrodites Helena "den großmäuligen Griechen entführt und so die Demütigung gelöscht" |
| 77 | "Ich sah eine Nachricht zur Wahrheit werden" |
| 78f | Nach Monaten kommt Paris auf einem ägyptischen Schiff mit verschleierter Person / "Helena zeigte sich nicht" / Paris "redete und redete" |
3. Gruppe: War der Krieg vermeidbar?
- Welche Rolle spielt Helena, "das Phantom" (79-84)?
- Gegenüberstellung der entsprechenden Ansichten des Priamos und Kassandras
a) Priamos Traum (78):
Kassandras Deutung |
Panthoos Deutung |
| Selbstlähmung durch innere Zerrissenheit | Priamos=gepanzerter Drache > verstärkte Rüstungs-produktion |
| Kass. zu
Panthoos: Hast dich entschieden, "die Bestie in dir
selbst zu füttern". "Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg". "Laßt euch nicht von den Eignen täuschen". |
Panthoos zu Kass.: "Sie werden ihren Begierden folgen, auch ohne uns". |
Bewußt einseitige Auslegung eines mehrdeutigen Sachverhaltes zum Zwecke der Rechtfertigung und Entschuldigung eigener Absichten. Angst als Motiv der Bildung von Abwehrsystemen.
b) Zuerst Kontrast zwischen Sage und KASSANDRA herausstellen (aber: Herodot!)
| 80 | KASS sucht
Helena: "Helena sollte nach Sparta zurück. Doch war
mir klar: Der König mußte diese Forderung
ablehnen". Über Kriegsleute: "Um aber dem Krieg zujubeln zu können, hatten sie diesen Namen gebraucht. Er erhob sie über sich hinaus". |
| 81 | Anchises:
"Ruhm und Reichtum hätte auch ein Mannsbild hergegeben.
Aber Schönheit? Ein Volk, das um die Schönheit
kämpft!" Paris: "Es gibt sie nicht" > Anfall Kass. > schreit nicht: "Troer, es gibt keine Helena! ... Der Eumelos in mir verbot es mir". |
| 83 | "Vater, bat ich ihn, nimm ihnen wenigstens den Vorwand, Helena. Sie ist, hier oder in Ägypten, nicht einen einzigen erschlagenen Troianer wert". ... "Esgeht doch um die Ehre des Hauses": |
Wert (hier: Schönheit, ein bes. Ideal) als Mittel zum Entfachen von Kriegsbegeisterung und Aufrechterhaltung von Kampfmoral.
c)
| 82f | KASS+Priamos
(fürchtet Gesichtsverlust [EHRE!]): "Ein Krieg, um
ein Phantom geführt, kann nur verlorengehen."
"Warum?" "Griechen rennen sich den Schädel ein .." "Die wollen unser Gold. Und freien Zugang zu den Dardanellen". PRI lehnt Verhandlungen kategorisch ab |
Ein Sachproblem wird zum ideologischen Problem hochstilisiert > keine Verhandlung über "Grundwerte"
4. Gruppe: Der Kriegsverlauf im Überblick (84-155)
- Momente, durch die der Krieg weiter verschärft wird ("Eskalations-Syndrom")
- Wirkung des Krieges auf die inneren Verhältnisse der Stadt (Priamos, Eumelos)?
a+b)
| DISK | Griechen als Kontrastfolie zu Troern am Beginn des Krieges; Methode: Überzeichnung und krasse Abwertung; "Vieh" als Leitwort / Aufbau eines Feindbildes / Methode steht im Widerspruch zu KASS. Intention der Konfliktvermeidung bzw. -bereinigung |
| Geschehen wird komprimiert auf die Reihung von Gewalttaten und Vergeltungsschlägen > verdeutlicht Grausamkeit und Inhumanität des Krieges. | |
| Kein klar definiertes Kriegsziel; dies steigert die Feindseligkeit auf beiden Seiten, nach dem Motto: Denen ist ALLES zuzutrauen > nur Vernichtung/Ausrottung hilft. | |
| Eigendynamik des Krieges: Verrohung der Troer / Realitätsverlust (bes. Priamos) |
c)
| 77 | Nach "Helena-Raub" läßt sich Priamos "Unser mächtiger König" nennen, später, "trotz" negativen Kriegsverlaufs, "Unser allermächtigster König". |
| 118 | PRI starr, nicht mehr ansprechbar, "brüchig" |
| 119 | Die abschließenden Maßnahmen des Eumelos. Lehrbeispiel für die Entstehung eines totalitären Staats. |
| 132 | PRI "bar jeden Königtums", wird zum "kranken Greis", verfallenen Mann (145) |
| 157 | die "Gestalt des Königs" |
Eumelos hilft Priamos bei der Festigung seiner Herrscherposition (vgl. auch Matriarchat), dieser legitimiert Eumelos´ Handeln. Eumelos ist Verkörperung von "Hierarchie", "Organisation", "Innere Ordnung" und der damit verbundenen destruktiven Kräfte (Einschränkung, Verlust von "Menschenrechten")
C - Gemeinsame Aktualisierung des Stoffes
D - Gruppenarbeit zu "Matriarchat vs. Patriarchat"
1. Gruppe: Wie ist Troja als Gemeinwesen organisiert?
2. Gruppe: Überreste des Matriarchats in Troja
- Hekabes Traum / Helenos und Kassandra / Hesione / Kybele-Kult
3. Gruppe: Die Frau im Patriarchat
4. Gruppe: Die Welt am Skamander - ein Gegenentwurf?